Wirtschaft und Finanzen

Mit attraktiven Rahmenbedingungen und ausgerichtet auf einen längerfristigen Zeithorizont sollen allgemeine- und finanzpolitische Entscheide gefällt werden.


Bundesgesetz über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (STAF)

21. Juli 2018

Ausgang
Am 12. Februar 2017 wurde die Unternehmenssteuerreform III (USR3) vom Stimmvolk abgelehnt. Damit bleiben das geltende Steuersystem und namentlich die steuerliche Privilegierung der kantonalen Statusgesellschaften in Kraft. Diese Privilegierung steht nicht mehr im Einklang mit internationalen Standards. Diese Situation führt bei Unternehmen, die grenzüberschreitend tätig sind, zu Rechts- und Planungsunsicherheiten und schadet dem Standort sowie der Reputation der Schweiz. Der internationale Steuerwettbewerb hat sich in jüngster Vergangenheit noch einmal verschärft und zahlreiche Staaten sind bestrebt, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dabei lässt sich ein Trend hin zu Gewinnsteuersenkungen und zu einer steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung (F&E) feststellen. Die SV17 präsentiert sich als geeignete Antwort der Schweiz auf diese Entwicklungen. 

Der Ständerat hat am 07. Juni 2018 in die Steuervorlage 17 (SV17) einen sozialpolitischen Ausgleich zugunsten der AHV im Umfang von 2 Milliarden Franken eingefügt. Die Vorlage heisst deshalb neu Bundesgesetz über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (STAF). Das Geschäft geht in der Herbstsession an den Nationalrat.

Zentrale Massnahmen
Ausgangspunkt der SV17 ist die Abschaffung der international nicht mehr akzeptierten Regelungen für kantonale Statusgesellschaften. Damit die Schweiz weiterhin ein attraktiver Wirtschaftsstandort bleibt, wird diese Massnahme durch die Einführung neuer steuerlicher Sonderregelungen zur Förderung von F&E begleitet: Die Patentbox bewirkt, dass ein Teil der Gewinne aus Erfindungen in den Kantonen künftig ermässigt besteuert wird. Darüber hinaus haben die Kantone die Möglichkeit, einen zusätzlichen Abzug von höchstens 50 Prozent für F&E-Ausgaben vorzusehen. Die beiden Sonderregelungen werden von einer Entlastungsbegrenzung flankiert. Sie sieht für die Kantone verbindlich vor, dass ein Unternehmen immer mindestens 30 Prozent seines steuerbaren Gewinns vor Anwendung dieser Sonderregelungen versteuern muss.

Um der Ausgewogenheit der Vorlage verstärkt Rechnung zu tragen, sind in der SV17 zudem folgende namhafte Unterschiede zur USR III enthalten:

  • Verzicht auf den Abzug für Eigenfinanzierung (zinsbereinigte Gewinnsteuer auf überdurchschnittlichem Eigenkapital – NID light);
  • Erhöhung der Dividendenbesteuerung auf 70 Prozent beim Bund und in den Kantonen, wobei die Kantone auch eine höhere Besteuerung vorsehen können;
  • Berücksichtigung der Städte und Gemeinden im Rahmen der Erhöhung des Kantonsanteils an der direkten Bundessteuer;
  • Erhöhung der Mindestvorgaben des Bundes für die Kinder- und Ausbildungszulagen um 30 Franken pro Monat als sozialpolitische Massnahme.

Weiter geplant ist die Erhöhung des Kantonsanteils an der direkten Bundessteuer: Die Kantone erhalten neu 21.2 Prozent aus den Erträgen der direkten Bundessteuer (bisher: 17 Prozent). Das verschafft den Kantonen finanzpolitischen Spielraum, um bei Bedarf ihre Gewinnsteuern zu senken und so wettbewerbsfähig zu bleiben. Gleichzeitig werden dadurch die Reformlasten ausgewogen zwischen den Staatsebenen verteilt.

Zusätzlich wird der Finanzausgleich an die neuen steuerpolitischen Realitäten angepasst, so dass es nicht zu Verwerfungen unter den Kantonen kommt.

Glossar SV17
Q&A SV17

Fachkräftemangel

27. Mai 2018

Der Fachkräftemangel hat sich während den letzten Jahren in verschiedene Berufsgattungen ausgebreitet und ist nicht mehr länger nur in den klassisch betroffenen Gebieten wie der Informatik zu finden. So ist zum Beispiel die Nachfrage nach Kaufmännern und -frauen mit einem technischen Hintergrund stark gestiegen. Doch gut qualifiziertes Personal ist nur wenig auf dem Personalmarkt vorhanden. Die 2017 erstellte Umfrage der Credit Suisse zum Thema Fachkräftemangel hat ergeben, dass für Schweizer KMU das Thema Fachkräftemangel ein durchaus reales Phänomen ist.

„Mehr als die Hälfte der rekrutierenden Firmen haben Mühe, geeignete Kandidaten für offene Stellen zu finden. Rund ein Viertel der befragten Unternehmen sind sogar akut vom Fachkräftemangel betroffen.“

KMU reagieren je nach Grösse und Branche unterschiedlich auf die Herausforderung. Unter den Strategien zur Sicherung des Fachkräftebedarfs liegt die Aus- und Weiterbildung der eigenen Mitarbeitenden an erster Stelle. Rund 80 Prozent der Unternehmen unterstützen Ausbildungsmassnahmen im eigenen Betrieb und mehr als die Hälfte bildet Lernende aus. Unternehmen in Grenzregionen nutzen auch die Möglichkeit, um Fachkräfte aus dem grenznahen Ausland zu rekrutieren. Auch versuchen bereits heute rund 25 Prozent der Unternehmen, durch die Digitalisierung dem Fachkräftemangel zu begegnen. Somit ist die Digitalisierung aucheine Herausforderung in der Frage um Fachkräfte. Ebenfalls zu beachten ist die demografische Entwicklung. Bereits in den kommenden fünf bis zehn Jahren geht die bevölkerungsstarke Babyboomer-Generation in den Ruhestand und Unternehmen werden in Zukunft mit einem (bestenfalls) stagnierenden und alternden Arbeitskräftepotenzial konfrontiert sein.

Aus der Umfrage der Credit Suisse, welche zum sechsten Mal in Folge vorgenommen wurde, basierend auf den Erkenntnissen aus der Umfrage und den Analysen lassen sich folgende sechs Kernaussagen und Thesen formulieren.

  1. Die gut qualifizierten Arbeitnehmenden stellen für Schweizer KMU einen der wichtigsten Standortfaktoren dar.
  2. Viele KMU haben Mühe, genügend Fachkräfte zu finden. Schätzungsweise rund 90'000 Unternehmen dürften vom Fachkräftemangel akut betroffen sein, jedes zweite hat Rekrutierungsschwierigkeiten.
  3. Der Zugang zu Arbeitskräften aus dem Ausland scheint den Fachkräftemangel in gewissen Branchen und vor allem in grenznahen Regionen zu lindern.
  4. Die weit verbreitetste Strategie zur Deckung des Fachkräftebedarfs ist jedoch die betriebsinterne Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitenden.
  5. Das duale Berufsbildungssystem ist für Schweizer KMU von sehr grosser Bedeutung. Einer verstärkten (universitären) Akademisierung stünde eine Mehrheit der Firmen skeptisch gegenüber. Jedoch ist gerade in der dynamischen und innovativen IT-Branche der Bedarf an akademisch gebildeten Arbeitskräften auch im KMU-Bereich durchaus hoch.
  6. Die Megatrends Digitalisierung und Alterung werden den Arbeitsmarkt in naher Zukunft entscheidend prägen. KMU dürfen insbesondere den Einfluss des demografischen Wandels und die wachsende Bedeutung von älteren Arbeitskräften nicht unterschätzen.

Um dem Fachkräftemangel längerfristig und nachhaltig zu begegnen, müssen verschiedene mögliche Vorgehen weiterentwickelt werden.

  • Die Berufsausbildung muss an Attraktivität gewinnen und der anschliessende Berufseinstieg; dies auf verschiedenen Ebenen wie zum Beispiel der Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung oder attraktiven Arbeitsbedingungen wie Lohn, Arbeitszeit und Sozialleistungen.
  • Die Berufsausbildung und die Berufsmatur müssen mehr in den Fokus der Jugendlichen und der Eltern gelangen. Kann dies nicht durch Massnahmen der Sensibilisierung erreicht werden, sollte eine Erhöhung der Anforderungen für den Besuch des Gymnasiums in Betracht gezogen werden.
  • Aufgrund der demografischen Entwicklungen müssen sich Unternehmen überlegen, auf gewisses ungenutztes Arbeitskraftpotenzial der Älteren zurückzugreifen.

Um diesen Wandel voranzutreiben, ist in erster Linie Engagement von Seiten der KMU und den Wirtschaftsverbänden zu leisten – auch das KMU Netzwerk sieht hier seine Verpflichtung. Die Bereitschaft diese Entwicklung mitzutragen, muss jedoch auch von Seiten der Bevölkerung und der Politik getragen werden.