Innovation und Standortförderung

Das Erfolgsmodell Schweiz hat sich bewährt, aber die Konkurrenz schläft nicht. Es braucht eine starke Förderung, um innovative Technologien voranzutreiben und in der Innovation der Leader zu sein.


Nischenproduktion: Cannabis Medizinal-Produkte

26. Mai 2018

Die Zahl der Schweizer Bauernbetriebe ging in den letzten 10 Jahren von 61'764 auf 51'620 zurück. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Nutzfläche pro Betrieb von 17 auf 20 Hektaren. Während im Flachland die Betriebe tendenziell wachsen, sind die Bauernbetriebe in den Bergregionen in ihrer Entwicklung stark eingeschränkt. Anbauflächen in Bergregionen haben jedoch oft den Vorteil über eine besonders hohe Bodenqualität zu verfügen. Dieser Standortvorteil bietet den Bergbauernhöfen die Möglichkeit Produkte anzubauen, welche über eine besonders hohe Qualität zur Weiterverarbeitung verfügen müssen. An verschiedenen Orten werden deshalb Bergkräuter angebaut oder wie im Walliser Bergdorf Mund das kostbare Gewürz Safran. Der Erfolg von diversen Knospen-Labels deutet auch auf die Attraktivität und das Marktpotenzial solcher Produkte hin.

Betrachtet man die Entwicklung der Bauernbetrieben in der Schweiz, dann zeigt sich gerade bei kleineren Bauernbetrieben einigen Handlungsbedarf ab. Bei kleinen Bauernbetrieben, genauso wiebei den kleinen Gewerbe- und Handwerksbetrieben, sind innovative Produkte überlebenswichtig. Die Produktion von Cannabis für medizinische Zwecke, wie auch für den privaten Konsum, könnte für solche Kleinbetriebe eine Alternative darstellen. So liegt aktuell im Nationalrat eine entsprechende Motion vor, welche vom Bundesrat verlangt, dass für Cannabis künftig die gleichen Regeln gelten wie für hochprozentigen Alkohol. Doch dabei darf es nicht bleiben. Diese Produktion sollte in dem Sinne reguliert werden, dass Betriebe mit optimalen Voraussetzungen die Erlaubnis zum Anbau erhalten.

Die Cannabis-Produktion tritt langsam aus ihrem Schatten-Dasein heraus. Es ist wichtig, das Stigma des kriminellen Tatbestandes abzubauen. Cannabis ist schon seit langer Zeit ein Heilmittel, wie das die Bergkräuter auch sind. Dabei geht es hier nicht um die Legalisierung des Marihuana-Anbaus, sondern um die medizinisch wichtigen Wirkstoffe der Cannabisstaude. Dieses neue Geschäftsfeld könnte für Kleinbauern interessant sein. Sie sind oft schon heute auf die Bio-Produktion spezialisiert und besitzen entsprechendes Know-how. 

Schaut man sich die Entwicklung in den USA genauer an, könnte dieses Modell auch in der Schweiz Schule machen. Der Staat Washington rechnet fürs Steuerjahr 2017 mit zusätzlichen Einnahmen aus dem Cannabis-Verkauf von rund 315 Millionen Dollar, für die gesamte USA dürften sich zusätzliche Steuereinahmen von knapp 15 Milliarden Dollar bis 2021 ergeben.

 

Branchendiversifikation im Kanton Basel-Stadt

21. Mai 2018

Der Kanton Basel-Stadt verzeichnete 2013 in der Branche „Chemie, Pharma, Kunststoff und Glas“ (NOGA Code 19-23) einen Anteil der nominalen Wertschöpfung von 37,2 Prozent und 12,2 Prozent der Beschäftigten im VZÄ (Vollzeitäquivalent) im Vergleich zur Gesamtwirtschaft in Prozent pro Jahr. Somit ist die Pharmabranche klar überdurchschnittlich vertreten. Die hohe Wertschöpfung und Produktion dieser Branche ist zwar erfreulich, doch stellt diese einseitige Gewichtung gleichzeitig auch ein erhebliches Risiko dar. So gesehen 2008, als die Stadt Zürich in Folge der Finanzkrise mit Einbussen bei den Unternehmenssteuern rechnen musste aufgrund der hohen Konzentration der Finanz- und Versicherungsbranche. In Basel-Stadt liegt der Anteil der Steuereinnahmen durch juristische Personen bei rund einem Drittel.

An zweiter und dritter Stelle folgen in Basel-Stadt die Branche „Öffentliche Verwaltung, Gesundheitswesen und Erziehung“ (NOGA Code 84-88) mit einem Anteil der nominalen Wertschöpfung von 13,8 Prozent und der Finanzsektor (NOGA Code 64-66) mit 10,6 Prozent. Drei Branchen sind somit für 61,6 Prozent der nominalen Wertschöpfung an der Gesamtwirtschaft im Kanton Basel-Stadt verantwortlich. Auf die restlichen Branchen entfallen nur 38,4 Prozent.

Um das Klumpen-Risiko zu minimieren, muss Basel-Stadt dringend andere attraktive Wirtschaftszweige fördern. Die Universität Basel hat ihr Schwergewicht in der Forschung dem Bereich Life-Sciences verschrieben aber auch der Nanowissenschaft und der Nachhaltigkeits- und Energieforschung. Diese Forschungsgebiete erschaffen Grundlagen für verschiedenste Branchen wie z.B. der Energiewirtschaft, Informatik, dem Ingenieurswesen oder Cleantech Bereich. Gerade die Nanowissenschaften legen die Grundlagen, welche die Herstellung von Materialien mit bisher nicht bekannten Eigenschaften ermöglichen. Diese Technologie nimmt eine Schlüsselposition ein und kann der hiesigen Industrie einen Vorsprung verschaffen. So investiert der Kanton Aargau fünf Millionen pro Jahr in das Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel.

Mehrmals pro Jahr gastieren zudem internationale Messen in Basel. Investitionen in die Standortattraktivität für die Bereiche „Information und Kommunikation“ (NOGA Code 58-63) sowie von „Werbung und freiberuflichen Tätigkeiten“ (NOGA Code 73-74) könnten der einseitigen Gewichtung der Branchen entgegenwirken. Im Kanton Zürich gehört z.B. der Wirtschaftszweig „Informatik und Kommunikation“ zu den schnell wachsenden und rasch an Bedeutung gewinnenden Bereichen. Schweizweit gibt es rund 70'000 Unternehmen mit über 250'000 Beschäftigen aus diesen Sektoren. In Basel kamen alleine von 2011 auf 2012 541 Vollzeit- und Teilzeitbeschäftige dazu mit steigender Tendenz.

Auch die Wirtschaftszweige „Verkehr, Lagerei und Post“ (NOGA Code 49-53) und der damit verbundene Bereich „Handel“ (NOGA Code 45-47) sind nicht zu unterschätzen. Über die Schweizer Rheinhäfen werden bereits heute 10 bis 12 Prozent des gesamten Aussenhandels der Schweiz abgewickelt, und sie gelten in Kombination mit der Nord-Süd-Achse als wichtigste Verkehrsscheibe. Das Umschlagspotenzial liegt bei rund 15 Millionen Tonnen Gütern pro Jahr.

Zukunftsorientiert gesehen sollte die Diversifikation unbedingt innerhalb der Metropolitanregion Basel stattfinden. Dazu sind verschiedene Kooperationen zwischen den Kantonen , dem Elsass und Südbaden dringend voranzutreiben. Die Standortfaktoren im Vergleich zu anderen ähnlichen Regionen in Europa sind in der Region Basel besonders attraktiv, doch sind leider auch einige länderspezifische Hindernisse zu überwinden.

Zusammengefasst müssen folgende Schritte erfolgen:

  • Intelligente Verknüpfung von Technologien unterstützen
  • Digitalisierung als Querschnittstechnologie fördern
  • Freies Experimentierfeld und attraktive Rahmenbedingungen für Startups schaffen
  • Bestehende Schwerpunkte festigen und neue ausbauen
  • Forschungsaktivitäten von KMU fördern und freies Potenzial einbinden
  • Beziehungen zum IT-Standort Zürich stärken
  • Durchlässigkeit zwischen Grundlagenforschung und Unternehmensanwendung erhöhen
  • Politische Voraussetzungen für länder- und kantonsübergreifen Kooperationen schaffen

 

Alternative Nutzung im Vormarsch

11. Mai 2016

Das etwas zu früh totgesagte Projekt der Aufwertung der Clarastrasse („Boulevard Clara“) erhält neuen Aufwind. Zurzeit werden an diversen Orten neue Konzepte zur Belebung des Gewerbes getestet, die für eine Aufwertung des Kleinbasels von Interesse sein könnten. Gemeint sind etwa Pop-up Stores, also kleine Ladenflächen, auf denen Jungunternehmen ihr Angebot variabel und zeitlich flexibel darbieten können. Auch die Stadtentwicklung Basel-Stadt zeigt sich positiv: „Dank den grossen Flächen sind an der Clarastrasse wirklich neue Ladenmodelle möglich, und durch die dynamischen Entwicklungen und Projekte rund um die Clarastrasse ist sie in fünf Jahren im Zentrum pulsierender Hotspots.“ Auch weitere Nutzungsmodelle wie etwa Coworking-Spaces erfreuen sich auch in Basel immer grösserer Beliebtheit und könnten eine zukunftsträchtige Alternativnutzung für die Kleinbasler Innenstadt darstellen. Wir begrüssen, dass auch Regierung und Verwaltung die neusten Entwicklungen so klar unterstützen. So drückte der Regierungsrat in seinem Ratschlag „betreffend die Stärkung der Innovationsförderung in den Jahren 2016-2015“ vom 29. September 2015 seine Sympathie für die gewerbliche Neunutzungen aus und sicherte die Umgestaltung des Claraplatzes im Rahmen der Umsetzung des Gestaltungskonzeptes Innenstadt zu.

Regierungsratsbeschluss